Thema: Scouting


 DIE TALENT-STORYS 

Früh übt sich, wer einmal ein großer Fußballer werden will. 
Der Kampf um Talente wird immer härter. Und die Preise steigen immer mehr. Im Talent-Storys schauen wir auf Europa. Denn jedes Land, jeder Verein arbeitet unter speziellen Bedingungen. 
Der Kampf um Talente wird immer härter. Und die Preise steigen immer mehr. Kinder im Alter von 12, 13 Jahren sind zu Handelsobjekten von Beratern, Managern und Vereinen geworden. Aber Jugendliche werden gleichzeitig auch gezielt entwickelt und pädagogisch gefördert wie nie zuvor, um ihnen eine große Karriere zu ermöglichen. Im vergangenen Jahr haben wir die Entwicklung dieses boomenden Millionen-Markts in der Bundesliga beschrieben, im Talent-Storys schauen wir auf Europa. 
Immer wieder Lesenswerte Geschichten aus der Vergangenheit.
(Quelle: FAZ.NET) 

Fußball-Talentreport, heute: 

 Herthas jüngster Bundesliga-Spieler krönt zweite Karriere

Früher Hertha, heute Futsal: Hartmanns spätes Glück

Seine Fußball-Karriere hat Lennart Hartmann (31) mal treffend zusammengefasst: "Ich hatte viel Pech mit Verletzungen und war oftmals zur falschen Zeit am falschen Ort." Jetzt ist er zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Hartmann, bis heute Herthas jüngster Bundesliga-Spieler aller Zeiten, steht vor seinem Debüt als deutscher Futsal-Nationalspieler. Für das einstige Fußball-Top-Talent ist die Berufung in den Kader für die beiden Futsal-Länderspiele gegen England (2016) "eine Anerkennung" - und womöglich auch eine späte Entschädigung für das, was ihm als Fußballer nicht vergönnt war. 

 Lennart Hartmann (#10) beim Futsal im Dress des FC Liria. (Foto)

 Unter Lucien Favre debütierte das aufstrebende Mittelfeld-Talent am 17. August 2008 im Alter von 17 Jahren, vier Monaten und 14 Tagen in der Bundesliga. Bei Herthas 2:0-Sieg in Frankfurt wechselte der Coach, der sich auf allen Stationen auch als Talente-Förderer hervortat, Hartmann nach 67 Minuten für Gojko Kacar ein. Es schien der Beginn einer verheißungsvollen Karriere zu sein - aber im Grunde war dieser Tag schon der Höhepunkt. Bis heute kam kein Hertha-Profi jünger zu Bundesliga-Ehren, Hartmann absolvierte aber insgesamt nur drei Bundesliga-Einsätze, drei Europacup-Partien (eine Torvorlage gegen Ventspils) und später für Babelsberg 29 Drittliga-Spiele. 


Hartmann ein Top-Nachwuchs-Talent

 Dabei galt er im Nachwuchs-Bereich dank seiner technischen und strategischen Veranlagung vielen Experten als kommender Top-Profi. Mit 17 erhielt er die Fritz-Walter-Medaille in Silber (U17), im selben Jahr wurden eine Jahrgangsstufe über ihm Toni Kroos und Sebastian Rudy ausgezeichnet. In den Nachwuchs-Auswahlteams des DFB war er lange Zeit Stammkraft: zehn Länderspiele (zwei Tore) für die U16, elf (ein Tor) für die U17, acht für die U18, zehn für die U19. 39 internationale Einsätze für den DFB insgesamt - wenn man so will, steht am Sonntag gegen England in der Hamburger Inselparkhalle für Hartmann Länderspiel Nummer 40 an. 


Mit dem Profi-Fußball hat der Jura-Student schon vor längerer Zeit abgeschlossen. Eine Serie schwerer Verletzungen verhinderte seinen Durchbruch. "Meine Karriere ist ein Paradebeispiel für die Schattenseiten des Fußballs", sagt Hartmann. "Du kommst als 16- oder 17-Jähriger in den Profibereich, machst deine ersten Spiele - und siehst plötzlich, wie dein Körper nicht mehr mitmacht." Die Erkenntnis des Mannes, der nebenbei modelt: "Im Fußball spielen viele Dinge eine Rolle - nicht nur das Talent an sich." 


"Meine Karriere ist ein Paradebeispiel für die Schattenseiten des Fußballs." ( Lennart Hartmann)
 

 In den langen Monaten der Reha hatte Hartmann in seiner Hertha-Zeit das Gefühl, "schnell fallengelassen" worden zu sein: "Der Fußball kann dir ganz viel geben, aber noch mehr nehmen. Dabei brauchst du als junger Spieler Zuspruch." Zur körperlichen Malaise kam Pech mit den Trainern. Friedhelm Funkel, der bei Hertha im Herbst 2009 auf Lucien Favre folgte, setzte im Abstiegskampf auf gestandene Cracks und hielt die Youngster um Hartmann und Shervin Radjabali-Fardi für nicht wetterfest genug. Auch unter Markus Babbel kam Hartmann nicht zum Zug, ein Probetraining bei den Vancouver Whitecaps zu Jahresbeginn 2011 entpuppte sich als Enttäuschung. 

Vergebliche Anläufe in Aachen und Babelsberg

 Im Sommer 2011 wechselte er nach Aachen. Hartmanns Pech: Bei der Alemannia wurde nur zwei Monate nach dem Saisonstart Peter Hyballa, der ihn geholt hatte, entlassen - und es kam Funkel. Nächste Station: Babelsberg. Als ihm in einem Spiel Anfang 2013 in Osnabrück alle Bänder im Fuß rissen, wurde Hartmann klar, dass er Plan B braucht. Er begann in Berlin zu studieren, Fußball wurde zum Hobby. Über den Berliner AK landete Hartmann bei Tennis Borussia Berlin, ehe er im vergangenen Winter zur VSG Altglienicke weiterzog. Dem Klub gelang im Sommer der Aufstieg in die fünftklassige Oberliga, Hartmann hat dort mit den Ex-Profis Torsten Mattuschka, Björn Brunnemann und Francis Banecki prominente Kollegen. Aktuell führt der Neuling die Tabelle der NOFV-Oberliga Nord an. 

Futsal als spätes Glück

 Hartmann, den auch in den vergangenen Jahren immer mal wieder Offerten höherklassiger Klubs erreichten (Darmstadt, Viktoria Köln etc.), hat seinen Frieden gemacht damit, dass ihm die Top-Karriere, die ihm viele prognostiziert hatten, versagt geblieben ist. Neben dem Jura-Studium und dem Fußball wurde Futsal mit den Jahren immer wichtiger für ihn. "Ich war schon immer ein Straßenkicker. Mit 15", sagt er, "bin ich zum Futsal gekommen. Mit der Zeit wurde mein Interesse dann größer." 

 Er spielt für den FC Liria aus Berlin, einen der deutschen Futsal-Topklubs. Im Kader für die England-Länderspiele steht neben ihm mit Durim Elezi ein zweiter Liria-Akteur. "Es passiert gerade sehr viel im Futsal in Deutschland", sagt Lennart Hartmann. Er kennt sich aus mit Hypes, er kann das einordnen. Aber nach allem, was seine Karriere an dunklen Momenten für ihn bereit hielt, kann er das späte Glück schon auch genießen. 
(Quelle: kicker)

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